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Historischer Krimi aus dem 16Jh. mit Schauplatz Zürich - Rubrik Krimi/Thriller

Nicole Billeter im Interview mit BuchDialog.ch über Ihr Buch "Blut für Geist"

 

Blut für Geist
Nicole Billeter
CHF 32.00
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Meine «Helden» sind die Jugendlichen Johann Zwicki und Cleophea Hefti. Cousin und Cousine aus dem Glarnerland. Sie werden von Salomon von Wyss – einem Zürcher Zünfter – zu Hilfe gerufen, weil er drauf und dran ist, seine Ehre zu verlieren. Man hat in seinem Schlafzimmer grosse Mengen Blut gefunden und von dieser Schande muss er sich reinwaschen. Die drei geraten dadurch in merkwürdige Kreise, von dem Armenviertel «Chraz» bis in beste Stuben von reichsten Kaufleuten.

I. Warum haben Sie sich für Ihren historischen Krimi für die Zeit um 16Jh. in Zürich entschieden? Mir gefallen Umbruchzeiten und ich finde es besonders spannend, wie Menschen mit extremen Neuheiten umgehen und in ihr bisheriges Leben integrieren. Die Reformation brachte unglaublich viele Neuheiten – ganze Glaubenssysteme wurden überworfen und neu gestaltet. Da nahm es mich wunder, wie dies wohl in den Alltag integriert worden. Nach der Beschäftigung mit der trüben Zeit des Ersten Weltkrieges (meine Dissertation) wollte ich mich auch einmal wieder ganz neu in eine Epoche einarbeiten. Zürich habe ich gewählt, weil ich die Stadt liebe und nie genug über ihre Geschichte weiss.

II. Wie kann die damalige Zeit beschrieben, charakterisiert werden. Welche Themen waren damals aktuell? Eine ganze Epoche in wenigen Worten zu beschreiben ist nicht einfach; ich will das als Historikerin ja so genau wie möglich machen. Hier einige Beispiele: es herrschte konstant schlechtes Wetter; die so genannte Kleine Eiszeit herrschte in Europa. Das hiess, dass oftmals ganze Ernten vernichtet wurden und grosse Teile der Bevölkerung stets hungerten. Dazu kamen die üblichen Krankheitszüge: die Pest war alle 20 Jahre einmal wieder in der Stadt, Pocken waren allzeit da, die Kindersterblichkeit hoch. Zürich war ein Reich für sich, die Zünfter hatten die Macht fest in der Hand und bestimmten Staat und Religion. Mit der Landschaft war das Verhältnis oft getrübt. Aberglaube (Hexen) und puritanische Sachlichkeit schlossen sich nicht aus.

III. Können Sie den Krimi für uns kurz zusammenfassen? Meine «Helden» sind die Jugendlichen Johann Zwicki und Cleophea Hefti. Cousin und Cousine aus dem Glarnerland. Sie werden von Salomon von Wyss – einem Zürcher Zünfter – zu Hilfe gerufen, weil er drauf und dran ist, seine Ehre zu verlieren. Man hat in seinem Schlafzimmer grosse Mengen Blut gefunden und von dieser Schande muss er sich reinwaschen. Die drei geraten dadurch in merkwürdige Kreise, von dem Armenviertel «Chraz» bis in beste Stuben von reichsten Kaufleuten.

IV. Auf welche Quellen und Zeitzeugen konnten Sie Ihre Recherchen stützen? Ich benutze zur Inspiration Quellen wie Urteile gegen Hexen und Gotteslästerer – hier kann man beispielsweise sehen, welche Flüche im Alltag gebraucht wurden. Weitere Quellen sind Predigten, die zeigen, welchen Wert man auf welche Verhaltensweisen legte; dasselbe gilt für Sittengesetze. Des Weiteren habe ich Bildnisse von Menschen benutzt und den Stadtplan von Jos Murer (1576). Eine wunderbare Quelle ist die «Wickiana»: eine Art Sammlung von Wunderlichkeiten, die mit grossem Fleiss aufgezeichnet wurden und in der Zentralbibliothek Zürich lagern.

V. Wie muss man sich das Making off Ihres Krimis vorstellen? 2/3 der aufgewendeten Zeit für Recherche in Archiven 1/3 freies Schreiben und in Zusammenarbeit mit anderen Historikern oder im Alleingang? Mein Krimi wird durch die Motivation der Figuren vorangetrieben. Sie haben ein Eigenleben, das ich nicht immer beeinflussen kann ... Sie wehren sich auch gegen Richtungen, die ihnen nicht passen. Das ist etwas unheimlich: schliesslich existieren sie ja nur in meinem Kopf. Ich alterniere Schreiben und Recherchieren; sie befruchten und beeinflussen sich gegenseitig. Das Buch ist meine Schöpfung allein, eine Zusammenarbeit mit anderen kann ich mir nicht vorstellen. Schreiben nach Konzept: das ist etwas, das ich in der Wissenschaft mache. Diese Bücher sind Inspiration pur; auch wenn der Hintergrund recherchiert ist. Hier kann ich es mir auch einmal leisten, mich in eine Zeit hineinzufühlen – das geht in der Wissenschaft nicht. Bzw. ist verpönt.

VI. Wurden sie bei den Recherchen mit der heutigen Politik konfrontiert? Mir wurde beim Schreiben sehr bewusst, wie sehr das Zwinglianisch-Puritanische uns um Zürich noch prägt. Oft konnte ich nicht anders, als mit einem Augenzwinkern im Krimi darauf zu verweisen. Beispielsweise die neue Ordnung von Zwingli, dass die Armen nun von Staates wegen ernährt werden sollten. Dabei wurde klar gemacht, dass nur zu essen bekommt, wer ein «anständig» Armer ist – Huren, Spieler und Säufer waren davon ausgenommen...

VII. Sie beschreiben in Ihrem Krimi einige Rezepte aus der Zeit um 16Jh. Können Sie uns im Interview eines verraten und auf welche Quellen konnten Sie zurückgreifen? Diese Rezepte zeigen eben auch etwas den Alltag – besonders: was es schon Spezielles auf den Tischen der Reichen gab. Ingwer, Koriander, Reis etc. waren keine Seltenheiten. Die Rezpete stammen aus Albert Hausers hervorragendem Buch: ‹Gebts uber tisch warm für gest›. Das Kochbuch von 1581 aus dem Stockalparchiv. Brig, 2001. Hier ein Beispiel für nachkochenswerte Fleischvögel:

«Nehmt ein feisses Kalbfleisch vom hinteren Oberschenkel, das nicht zäh ist. Schneidet es in etwa zwei Finger lange und breite Schnitten. Klopft sie tüchtig mit einem Messer, dass sie schön mürb werden. Tut Zimt- und Ingwerpulver darauf und salzt sie. Nehmt das Feisse von einer Kalbsniere und gebt zu jeder Schnitte davon. Und wenn ihr wollt, so tut einen Rosmarinzweig oder Majoran dazu, davon werden sie schmackhaft. Und wickelt die Schnitten ein und steckt sie an hölzerne Spiesse, eine nach der anderen. Legt sie auf den Rost, lasst sie ordentlich braten wie andere Spiesse. Gebt sie zum Kraut wie ihr wollt.»

VIII. Führen Sie auch Literaturspaziergänge in der Stadt Zürich durch und erklären Interessierten die Schauplätze: Häuser, Namensschilder, Gässchen, Kirchen? Ja, ich biete auch Stadtführungen an. Besonders freut es mich, ZürcherInnen Geschichten zu erzählen, die sie noch nicht kannten. Ich freue mich, Führungen zu machen, die einen Geschichte-Bogen spannen und als Ganzes eine kleine Erzählung bilden. Dabei sind spassige und spannende Anekdoten immer ein gutes Mittel, die Leute zwei Stunden lang zu unterhalten – und gerne auch etwas zu belehren, ohne lehrerhaft zu wirken.

Besten Dank für das Gespräch und wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg.








 

 
 
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